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20 Jahre KOWA Leipzig – Mitstreiterin der ersten Stunde: Interview mit Jana Wünsch

Die KOWA feiert ihr 20-jähriges. Zu diesem Anlass veröffentlichen wir in den nächsten Monaten immer wieder kleine Beiträge auf unserer Webseite sowie auf Instagram.

Jana Wünsch ist vom ersten Tag an Teil der Leipziger Kooperationsstelle und arbeitet seit 20 Jahren in verschiedenen Projekten mit. Jana erzählt uns, wie damals alles begann und was ihr dabei in besonderer Erinnerung geblieben ist.

Jana, du bist seit Anfang an dabei und hast die KOWA mit aufgebaut. Erzähl mal, wie hat das alles vor 20 Jahren begonnen?

Vor 20 Jahren hat alles ganz klein begonnen: Im März 2006 wurde der Verein zur Förderung der Kooperation von Wissenschaft und Arbeitswelt in Sachsen e. V. in Leipzig von Vertreter*innen regionaler Hochschulen und Gewerkschaften gegründet. Im April 2006 nahm ich als erste Mitarbeiterin meine Arbeit auf. Mein Büro war im Geisteswissenschaftlichen Zentrum der Universität Leipzig und ich war zunächst noch allein auf einer halben Stelle, unterstützt von wechselnden studentischen Mitarbeiter*innen. In den Anfangsjahren erhielten wir eine Anschubfinanzierung durch die Hans-Böckler-Stiftung. Inhaltlich wurden wir besonders von den Kolleg*innen der KOWA Frankfurt/Oder begleitet, insbesondere von ihrem mittlerweile verstorbenen Geschäftsführer Dirk Höhner, dem wir wichtige Impulse verdanken. Seit diesen Anfängen ist viel passiert: Aus einer Einzelkämpferinnenstelle ist ein engagiertes Team von inzwischen neun Mitarbeiter*innen gewachsen und aus einer Idee eine feste Größe an der Schnittstelle von Wissenschaft und Arbeitswelt in Sachsen unter dem Dach der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kooperationsstellen.

Was ist dir aus den Anfangsjahren besonders in Erinnerung geblieben und welche Herausforderungen galt es anfangs zu meistern?

Mir ist vor allem in Erinnerung geblieben, dass die Kooperationsstelle als neue Einrichtung überhaupt erst sichtbar werden und sich in der Region etablieren musste. Das bedeutete, Kontakte zu Hochschulen, Gewerkschaften und weiteren Akteur*innen herzustellen und ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Gleichzeitig galt es, thematische Felder zu identifizieren, die für alle Beteiligten gleichermaßen relevant waren, also konkrete Anknüpfungspunkte zu finden, um die Verbindung von „Wissenschaft und Arbeitswelt“ ganz praktisch mit Leben zu füllen. Eine zentrale Herausforderung war zudem die Frage, wie es nach der Anschubfinanzierung weitergehen kann. Die Verstetigung der Arbeit und die Sicherung weiterer Fördermöglichkeiten waren von Anfang an wichtige Aufgaben. Und nicht zuletzt war auch das „Einzelkämpfertum“ eine persönliche Herausforderung: Vieles musste parallel entwickelt und organisiert werden, oft allein. Umso schöner ist es rückblickend zu sehen, was aus diesen Anfängen entstanden ist.

Wenn du auf die letzten 20 Jahre zurückblickst, welche Momente würdest du als die wichtigsten Meilensteine der KOWA Leipzig bezeichnen?

Ich würde zwei Meilensteine besonders hervorheben: Ein ganz zentraler Moment war unser erstes eigenes Projekt – die Mithilfe beim Aufbau eines Career Service an der Universität Leipzig. Dieses Projekt hat uns inhaltlich stark in das Feld der beruflichen Orientierung von Studierenden geführt und unsere Arbeit über viele Jahre geprägt. Ein weiterer wichtiger Meilenstein war die Förderung von „Plan B“ im Rahmen der JOBSTARTER-Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Seit 2015 konnten wir in diesem Kontext umfassende Expertise zu den Themen Studienzweifel und Studienabbruch aufbauen. Diese Expertise wird bis heute stark nachgefragt und hat neue inhaltliche Schwerpunkte nach sich gezogen, etwa die Auseinandersetzung mit psychischer Belastung in Schule, Studium, Ausbildung und Arbeitswelt. Beide Entwicklungen haben unsere inhaltliche Ausrichtung nachhaltig geprägt und KOWA Leipzig fachlich wie strukturell weiterentwickelt.

Für alle, die die KOWA Leipzig noch nicht kennen: Erzähl uns doch bitte mal, womit beschäftigen sich die Mitarbeiter*innen und warum sind die Themen gesellschaftlich so relevant?

Wir beschäftigen uns mit Themen an der Schnittstelle von Hochschule, Ausbildung und Arbeitswelt, immer mit dem Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen und die Perspektive von Lernenden und Beschäftigten. Ein zentrales Feld ist seit 2015 das Thema Studienzweifel und Studienabbruch. Damals war es in vielerlei Hinsicht noch eine „Black Box“. Gemeinsam mit weiteren Projekten in anderen Bundesländern haben wir dazu beigetragen, Strukturen, Ursachen und Handlungsansätze transparenter zu machen sowie Unterstützungsangebote zu entwickeln. Im Beratungsprojekt „Plan B“ für die Stadt Leipzig begleiten wir junge Menschen ganz konkret bei der Neuorientierung. Im Projekt „Quickstart Sachsen Transfer“ qualifizieren und unterstützen wir bundesweit Beratende, die mit Studienzweifler*innen und Studienabbrecher*innen arbeiten. Im Zusammenhang mit Studienzweifel wurde zunehmend auch das Thema psychische Belastung sichtbar. Und zwar nicht nur im Studium, sondern in allen Bereichen von (Aus-)Bildung und Arbeitswelt. Im Projekt „SelBA“ entwickeln Kolleginnen derzeit ein digitales Selbstlernangebot, um Ausbildungspersonal für dieses Thema zu sensibilisieren und zu qualifizieren. Auch internationale Studierende und Auszubildende spielen in unseren Projekten eine wichtige Rolle. Dabei geht es uns nicht nur um Fragen der Fachkräftesicherung, sondern ebenso um faire Bedingungen, gute Begleitung und eine starke Arbeitnehmer*innenperspektive. Ein unterstützender, wertschätzender und solidarischer Umgang ist für uns dabei leitend. Nicht zuletzt beschäftigen uns seit vielen Jahren Transformation und Strukturwandel. Hier geht es um Mitbestimmung, um zukunftsfähige Arbeitsbedingungen und darum, wie Studierende bereits während des Studiums praxisnah mit diesen Themen in Berührung kommen können. All diese Themen sind gesellschaftlich relevant, weil sie Bildungswege, berufliche Perspektiven und Teilhabechancen unmittelbar betreffen und damit die Frage, wie wir Arbeit und Qualifizierung in einer sich wandelnden Gesellschaft gestalten wollen.

Wenn du zurückblickst und gleichzeitig in die Zukunft schaust: Welche Visionen oder Wünsche hast Du für die kommenden Jahre der KOWA Leipzig?

Die KOWA Leipzig war in der Vergangenheit auch immer wieder mit existenziellen Problemen konfrontiert. Ich wünsche ihr und uns daher vor allem Stabilität in den nächsten Jahren. Da Projektarbeit immer nur mit viel Vorlauf und Planung erfolgen kann, wünsche ich mir für die KOWA außerdem noch mehr Ressourcen, um auf aktuellere Fragestellungen und Themen eingehen zu können.

(Die Fragen stellte Anja Jahn.)